Die Betriebszeitung „DRUCKLUFT – Von Kolleginnen und Kollegen bei FESTO“ hat uns ein INTERVIEW mit Hubert Bauer zur Verfügung gestellt. Vor 8 Jahren beendete der langjährige Betriebsrat und Montage-Einsteller Hubert Bauer seine fast 30-jährige Berufstätigkeit bei Festo. Die DRUCKLUFT-Redaktion wollte wissen, wie der damals bekannte kämpferische IG Metaller die heutige Entwicklung bei FESTO bewertet.

DRUCKLUFT(DL): Hallo Hubert, du hast damals aus gesundheitlichen Gründen bei FESTO aufhören müssen. Was machst du inzwischen?
Hubert Bauer (HB): Rentner ist seit 4 Jahren meine Berufsbezeichnung. Meine Gesundheit erfordert leider immer wieder Therapien. Dennoch bin ich guter Dinge und finde immer wieder Zeit mit dem Wohnmobil Europa zu erkunden. Bei der IG Metall bin ich Seniorenvertreter und nehme immer wieder teil an Demonstrationen und Kundgebungen, wie zuletzt am Stuttgarter Ostermarsch.
DL: Wie bewertest Du die politische Gesamtlage aktuell?
HB: Meine größte Sorge ist die zunehmende Gefahr eines 3.Weltkriegs. Der internationale Kapitalismus ist in einer tiefen Existenzkrise und droht die gesamte Menschheit ins Verderben zu stürzen. Auch in Deutschland erleben wir eine gefährlich faschistische Tendenz: Die AfD tritt anders auf, als die NSDAP vor 100 Jahren. Es hat sich eine gefährliche Haltung auch unter der Arbeitnehmerschaft entwickelt, diese Leute zu wählen und so mit Staatsgeldern zu versorgen. Ihre „Alternative“ besteht in Spaltung der Beschäftigten, Schwächung der Gewerkschaften, Abbau demokratischer Rechte und Freiheiten und in Kommunistenhatz. Leider konnten Betriebsratslisten, die der AfD nahe stehen, zuletzt bei den BR-Wahlen neu in Betriebe eindringen, bzw. wie bei Daimler in Stuttgart unter dem Begriff „Zentrum“ BR-Sitze hinzugewinnen. Das wird in der Arbeiterschaft bislang massiv unterschätzt!
DL: Bei FESTO machen sich viele Sorgen um die Zukunft unserer Arbeitsplätze. Es gibt Gerüchte, dass in Scharnhausen 800 Arbeitsplätze abgebaut werden sollen. Was meinst du dazu?
HB: Gerüchte entstehen gesetzmässig wo Informationen fehlen und eine Stimmung geschaffen wird. Die Unternehmensführung verbreitet unheimlich viel Propaganda. Dass in der ganzen Region in großem Stil Industriearbeitsplätze abgebaut werden, hat natürlich auch Auswirkungen auf Festo. Gegen die Abwälzung der Strukturkrisen auf uns wehren sich zunehmend Belegschaften. In den 1980er-Jahren haben wir die 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich erkämpft, nach über 6 Wochen Streik. Seither hat sich die Produktivität jedes/r einzelnen Arbeiter/in vermehrfacht. Die Arbeitszeit selbst ist aber weitgehend gleich geblieben und mit Überstunden sogar wieder relativ verlängert worden. Höchste Zeit für eine 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich!
DL: Andere Gerüchte behaupten, FESTO würde aus dem Arbeitgeberverband austreten. Dann würden unsere Arbeitsbedingungen sicher schlechter als die heutigen Tarifverträge?
HB: Aus dem Tarif austreten, hätte für das Gesamtunternehmen massive Folgen. Mit der Beschäftigung nach Tarif erkauft sich das Unternehmen ja einen weitreichenden Betriebsfrieden. Nur im Fall gewerkschaftlicher Tarifauseinandersetzung darf demnach gestreikt werden. Ohne Tarifbindung kann die IG Metall dagegen den einzelnen Betrieb bestreiken. 2007 haben wir für den Erhalt der Arbeitsplätze in der Tigerventil-Fertigung mehrfach „spontan“ die Arbeit niedergelegt. Damals hatte ich den Eindruck, dies hat den FESTO-Vorstand hart getroffen und die Eigentümerfamilie sehr verärgert. Ich glaube nicht, dass sie solche Arbeiterkämpfe wieder erleben wollen.
DL: Aber die IG Metall ist nicht mehr so stark wie zu Deiner Zeit. Es sind einige ausgetreten und viele denken, sie brauchen keine Gewerkschaft?
HB: Das ist ein alter Aberglaube bei FESTO: „Die Familie Stoll ist gut und die IG Metall ist zu teuer“. Dabei muss doch jede/r wissen: Wenn ein Unternehmen aus dem Verband austritt, gelten die Tarifverträge für alle Gewerkschaftsmitglieder entsprechend des jeweiligen Abschlusses beim Austritt weiter. Gerade bei dieser Gerüchteküche sollte jede/r, der/die noch nicht in der Gewerkschaft ist, da schleunigst was dran ändern! Die IG Metall kann nur so stark bei FESTO sein, wie sie es durch Mitgliederanzahl untermauern kann. 1% Beitrag ist nicht teuer, es ist die wichtigste Organisationszugehörigkeit für abhängig beschäftigte Menschen! Viele gewerbliche Versicherungen kann man sich tatsächlich sparen, der Gewerkschaftsbeitrag steht außer Diskussion!
Er ist nicht nur Versicherung unserer Arbeits- und Lohnbedingungen, er schließt uns organisiert zusammen, damit wir Beschäftigten im Betrieb und darüber hinaus zu einer gesellschaftlichen Kraft werden können!
DL: Vielen Dank für das Interview!

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